Die Geschichte des Scotch Whiskys

Ca. 800 v. Chr.- Wie beim Papier und beim Schießpulver, waren vermutlich die Chinesen die Ersten, die die Kunst der Destillation beherrschten und damit aus Reis Likör destilliert haben.

 

Ca. 400 v. Chr.- Der griechische Philisoph Hippokrates nutzte die Destillation zur Herstellung von Medizin. Aus dem mittleren Osten, wo man auch Heilmittel destillierte, gelangte diese Kunst durch die Mauren nach Europa. Irische Mönche werden die Fertigkeit des Destillierens gelernt und mit nach Irland an den Hof des O’Donnell Clans gebracht haben. Daraus ging im 6. Jahrhundert der heilige Columba hervor, der den christlichen Glauben nach Schottland brachte.

 

Ca. 600 n. Chr.- Das Destillieren gehörte zur keltischen Kultur und wurde über die Kirche weiter verbreitet. Klöster haben schon immer ihre eigenen alkoholischen Getränke hergestellt und machen es auch heute noch so. Nach der Auflösung von Klöstern versuchten die Mönche durch Anwendung ihrer Destillationskenntnisse ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und trugen somit zur Verbreitung der Destillationskunst maßgeblich bei.

 

1494 - Erste urkundliche Erwähnung von Aqua Vitae: „Im Auftrag des Königs Jacob IV acht Boll Malz an Bruder John Cor, um daraus Aqua Vitae zu machen“. Übertragen auf heutigen Whisky mit einer Alkoholstärke von 40-43% reichte die Menge von 8 Bollen Malz für die Herstellung von ca. 400 Flaschen aus.

 

1505 - Die Chirurgen von Edinburgh erhielten das Monopol zur Herstellung von Aqua Vitae für medizinische Zwecke. Dem Whisky wird eine allheilende Wirkung zugesprochen.

 

1577 - In seiner Chronik schreibt Raphael Holinshed dem Whisky heilende Kräfte zu, indem er bei der Verdauung helfe, die Wassersucht heile und dem Kopf am Wirbeln hindere.

 

1579 - Das schottische Parlament beschließt aus Sorge, dass nicht genug Getreide als Nahrungsmittel für die Bevölkerung zur Verfügung steht, ein Gesetz, welches die Destillation von Getreide beschränkt.

 

1644 - Karl I., König von England und Schottland, erhob als Erster eine Steuer auf Whisky.

 

1707 - Die Vereinigung von Schottland und England führte auch zu einer Vereinheitlichung der Malzsteuer. Dieser Versuch schlug allerdings fehl. Ein erneuter Versuch führte zu Unruhen in der Bevölkerung, weil die Preise für Bier und für Whisky rasch in die Höhe schnellten. Die Lowlands umgingen die Malzsteuer durch die Verwendung von immer größeren Mengen an ungemälzter Gerste, was sich allerdings auch in der sinkenden Qualität des Whiskys niederschlug. Die Highlands setzten weiterhin auf gemälzte Gerste, da sie ohnehin illegale Destillerien betrieben.

 

1784 - Diesen steuerlichen Unterschied versuchte man durch das sogenannte Wash-Gesetz auszugleichen. Die Lowlands würden steuerlich begünstigt. So kam diese Region zu ihrem Namen: die Region mit niedrigen Steuersätzen wurde Lowlands (für low=niedrig) und die mit höheren Steuern Highlands (für high=hoch) genannt. Diese beiden Begriffe haben also nichts mit der topographischen Lage zu tun. Wer ein Mal in den Weiten der Lowlands war, kann durchaus bestätigen, dass diese Region alles andere als flach ist. Es wurde eine Lizenzgebühr für Brennblasen je nach Kapazität eingeführt, sowie eine Steuer für den Export von schottischem Whisky nach England erhoben. Die Schwarzbrennerei boomte weiter in den Highlands, da dort einfach der bessere Whisky gemacht wurde als in den Lowlands. Der Schmuggel von Whisky blieb weiterhin profitabel und nahm nach dem Wash-Gesetz sogar noch weiter zu.

 

Mitte des 18. Jahrhunderts- In Schottland wurde mindestens vier Mal mehr Whisky getrunken, als die legalen Destillerien je hätten produzieren können. Die Schwarzbrenner entgingen oft einer Strafe, da die Friedensrichter zumeist lokale Großgrundbesitzer waren, die einen guten Dram Whisky oft genug zu schätzen wussten. Bis zu dieser Zeit war es üblich, dem Destillat Beeren, Kräuter und Gewürze hinzuzufügen und es noch jung, nach nur wenigen Wochen der Destillation, zu trinken.

 

1822 - Erste Erwähnung von der Reifung im Holzfass in Elizabeth Grant of Rothiemurchus’s „Memoirs of a Highland Lady“: Versand von purem Glenlivet Whisky im Holz, mild wie Milch und mit dem echten Geschmack für die Deklaration von König George IV in Edinburgh.

 

1823 - Excise Act – Legalisierung der Brennereien. Zuvor gab es in Schottland ca 14000 illegale Stills, nach dem Excise Act 263 lizensierte Brennereien, von denen heute lediglich 17 überlebten.

 

1826 - Robert Stein führte in der Port Ellen Destillerie Experimente zur kontinuierlichen Destillation von Whisky durch (Patent Still).

 

1830 - Der Generalinspekteur des irischen Zolls, Aeneas Coffee, verfeinerte  Robert Steins Idee der Destillation mit nun zwei Säulen. Diese fiel jedoch in Irland auf keinen fruchtbaren Boden, da die Iren bei ihren Pot Stills blieben.

 

1832 - Aeneas Coffey ging mit seiner Idee der kontinuierlichen Destillation nach Schottland und meldete die Patent Stills zum Patent an. Dies war der Grundstein für den Niedergang der irischen Destillerien. Die Grain-Destillate aus den Patent Stills wurden lokal verkauft oder nach England zur Herstellung von Gin exportiert. Der in Pot Stills hergestellte Malt Whisky war ziemlich stark mit charakteristischem Geschmack, aber variabel in der Qualität. In Patent Stills hergestellter Grain-Whisky hingegen war ein relativ neutrales und charakterloses Destillat. Die Mischung der beiden zu einem Blended Scotch führte jedoch zum Durchbruch des Whiskys.

 

1853 - Andrew Usher war der Erste, der mit „Usher’s Old Vatted Glenlivet“ Blended Scotch vermarktete.

 

1860 - Die amerikanische Reblaus „Phylloxera vastetrix“ wird in die französische Weinberge eingeschleppt und entzieht kurze Zeit später dem in England so beliebten Brandy seine Grundlage. Damit schlägt die Stunde des Scotch Whisky in England.

 

1860 - Gladstone Spirits Act. Erst nach dem Mischen von Malt- und Grain-Whisky wird eine Steuer auf den Blended Scotch erhoben, nicht bereits auf die Einzelkomponenten davor.

 

The Big Five - Als den Schotten erlaubt wurde, Whisky nicht nur fassweise, sondern auch abgefüllt in Flaschen nach England verkaufen zu dürfen, kam die Idee der Marken auf. Die fünf großen Namen („The big five“) dabei waren: James Buchanan mit dem Buchanan Blend, Tommy Dewar, Peter Mackie mit dem White Horse, John Walker und John Haig.

 

Bis 1900- Fortschritte in der Infrastruktur, bessere Verkehrsanbindungen und Werbung mittels verbesserter Drucktechnik führten zu einem wahren Boom in der Whiskyindustrie. Es wurde modern, in Whisky zu investieren und Kredite wurden bereitwillig gewährt. Neue Destillerien wurden gegründet, sowie bestehende umgebaut und erweitert.

 

1887 - Der Editor des „Harpers Magazine“, Alfred Barnard, schrieb nach dem Besuch von 118 Malzdestillerien das Monumentalwerk „The Whisky Distilleries of the United Kingdom“.

 

1900 - Der Pattison-Crash: in Leith, Edinburgh, stiegen die Brüder Robert und Walter Pattison vom Krämer zum großen Blender und Großhändler auf. Kredite wurden freizügig von den Banken gewährt. Wie sich aber später herausstellte, wurde bereits für die Gründung der Firma die Bilanz gefälscht. Es wurde viel Whisky produziert, aber es gab bald keine Abnehmer mehr dafür und das Vertrauen in die Gebrüder Pattison schwand zunehmend, da die beiden einen sehr verschwenderischen Lebenswandel pflegten. Es kam zum Zusammenbruch der Firma, die Brüder ins Gefängnis und aufgrund der enormen Überproduktion und der mangelnden Nachfrage wurden viele Destillerien mit in den Abgrund gerissen.

 

1905 - Was ist Whisky? Ein englisches Gericht erklärt, Whisky ist ein Destillat, welches in einer Potstill hergestellt wurde.

 

1908-09 - Royal Commission. Das in einer Patent Still aus anderem Getreide als Gerste hergestellte Destillat, sowie die Mischung mit reinem Malzwhisky darf auch Whisky genannt werden.

 

1919 - Im Oktober dieses Jahres wurde die Prohibition in den USA ausgerufen und jeglicher Handel mit Alkohol verboten. Die Schotten hatten zwei Möglichkeiten, entweder den Whisky weiter nach USA zu exportieren und bewusst Gesetze brechen oder durch Fälschungen und schwarz gebranntem Whisky ruiniert zu werden. Die Lösung war, schottischen Whisky nach Kanada bzw. auf die französischen Neufundland-Inseln zu bringen und es dort den Schwarzhändlern zu überlassen, den Stoff in die USA zu schmuggeln. Schottischer Whisky stand für Qualität und der Schwarzmarkt boomte. Einzige Ausnahme war Campbeltown: in der kleinen Stadt an der Südspitze der Halbinsel Kintyre wurde wegen der steigenden Nachfrage die Qualität des Whiskys gesenkt. Dies hatte schwerwiegende Folgen. Von den einst 30 Destillerien in Campbeltown überlebten nach Ende der Prohibition nur noch zwei (Glen Scotia und Springbank). Erst im Jahre 2004 kam mit Glengyle eine dritte Destillerie in Campbeltown hinzu.

 

Ca. 1930- 99,9% des hergestellten Single Malt Whiskys werden für die Blend-Industrie verwendet.

 

1933 - Das Ende der Prohibition.

 

1940er Jahre- Während des 2. Weltkrieges wurde die Produktion von Whisky stark eingeschränkt und auch danach war die Herstellung von Nahrungsmittel aus Getreide wichtiger als Whisky. Bis 1953 verringerte sich die Produktion von Whisky um mehr als die Hälfte.

 

Mitte der 1950er bis 1960er Jahre - Boom für Scotch Whisky in den USA, Europa und UK als „The drink of the free world“. Single Malt war relative ungewöhnlich zu dieser Zeit. Armando Giovinetti führte jungen Glen Grant Single Malt Whisky erfolgreich in Italien ein.

 

1962-1972 - 24 neue Malz- und 4 neue Grain-Destillerien werden gegründet.

 

1964 - Glenfiddich Pure Malt 8 Jahre in einer tiefgrünen, dreieckigen Flasche erscheint auf dem Markt. Im Londoner Theater wurde dieser Glenfiddich mit Ginger Ale getrunken und schmeckte deutlich besser als kalter Tee. Später folgten Macallan und Glenmorangie mit Single Malt Abfüllungen.

 

Mitte der 1970er Jahre- Die wirtschaftliche Situation wird zunehmend instabil. Die USA und Großbritannien spüren den Trend zu weißem Rum und Vodka. Mixgetränke sprechen die Jugend mehr an. Scotch wird zu „Dad’s drink“.

 

1980 - Die Menge an verfügbarem Whisky ist vier Mal so groß wie die im Jahre 1960. Dieser Whiskysee ist zu dieser Zeit vergleichbar mit dem Butterberg in der EU.

 

1981 - Weltwirtschaftskrise und Rezession.

 

1981-1986 - In 29 schottischen Destillerien wird die Whiskyproduktion gestoppt, 18 davon schließen für immer. Darunter waren u.a. Brora, Port Ellen und St. Magdalene.

 

1988 - United Distillers (heute Diageo) führen die Classic Malt Serie ein (Glenkinchie 10J, Talisker 10J, Dalwhinnie 15J, Lagavulin 16J und Cragganmore 12J).

 

1994 - Glenmorangie bringt mit dem Port Wood das erste Finishing auf den Markt. Zeitgleich erscheint der DoubleWood von Balvenie, ein 12-jähriger im Bourbonfass gereifter Single Malt, der in Oloroso Sherryfässern nachgereift wurde.

 

1996 - Glenmorangie bringt die Sherry Wood- und die Madeira Wood-Abfüllungen heraus.

 

Heute - Ca. 93% der produzierten Single Malts werden für die Blend-Industrie benötigt. Derzeit gibt es nur noch 8 Destillerien mit einer eigenen Mälzerei, um einen Teil des benötigten Malzes selbst zu produzieren: Tamdhu, Glen Ord, Springbank (produziert für den kompletten Eigenbedarf), Highland Park, Laphroaig, Bowmore, Kilchoman und Balvenie.

Derzeit sind 96 Malt Whisky Destillerien in Schottland aktiv, die zusammen theoretisch ca. 290 Millionen Liter reinen Alkohol pro Jahr erzeugen.

 

 

Quellen:

Tom Bruce-Gardyne "The Scotch Whisky Book", 2008

Graham Moore " Malt Whisky - 100 große Marken", 2006

Ingvar Ronde "Malt Whisky Yearbook 2012", 2011